Neue Saison, altes Problem, zweite Herren starten in Geismar mit Auswärtsniederlage

Nach guter Vorbereitung war der Optimismus groß, den Auswärtsfluch der vergangenen Saison abzuschütteln. Nicht einen einzigen Punkt hatte man im Vorjahr außerhalb der Steinberghalle einfahren können, doch mit dem Personalzuwachs durch Julius Valentin Bartels, Marvin Engelhardt (beide von Söhres ersten Herren), Björn Riesen, Joey Wattenberg (beide DJK BlauWeiß Hildesheim), Kilian Drees (TV Bohmte) und Jannis Kreikenbom (OHV Aurich), hatte man sich nur quantitativ, sondern auch qualitativ verstärken können. Speziell im Rückraum war die Erwartung an Björn Riesen und Julius Valentin Bartels groß, die nötige Entlastung zu bringen, damit es nicht nur für 45 Minuten, sondern über die volle Spielzeit reichen würde, das Pressing im Angriff aufrecht zu erhalten.

Mit dem MTV Geismar ging es allerdings gleich im ersten Spiel zu einem Team, bei dem in den letzten Jahren nicht gut ausgesehen hatte. Keine Verwendung von Haftmittel, emotionale Zuschauerunterstützung für die Heimmannschaft, schnelle erste Welle, massiver Druck auf die Abwehr, man wusste recht genau, was einen am Geismarer Schulweg erwarten würde. Trainer Florian Breitmeyer hatte demzufolge seinem Team auch klare Ansagen gemacht, wie man sich auf den Gegner einstellen wollte. Tempospiel aus erster Welle, sicherer Abschluss aus zweiter Welle, schneller Rückzug und frühes Annehmen der Angreifer bei 9 Metern, in der Theorie kann Handball einfach sein, doch würde sein Team in der Drucksituation die Vorgaben auch umsetzen können?

Die Gastgeber legen von Beginn an das erwartet hohe Tempo vor. Für den MTV Geismar erzielt William-Edmond Eggerichs, der im Vorjahr noch beim MTV Rosdorf gegen Söhre auf Torejagd gegangen war, den ersten Treffer. Söhres defensiv eingestellte Abwehr scheint ein Freifahrtschein für die Heimmannschaft zu sein, denn immer wieder gelingen Durchbrüche und Söhres Keeper Julian Bogisch sieht sich ein ums andere Mal völlig frei durchgelaufenen Angreifern gegenüber. Die bittere Quittung ist ein 7:1 nach siebeneinhalb Minuten und Söhres Coach fühlt sich zur Auszeit genötigt. Vorne Sicherheit, hinter frühes Annehmen, so schwer kann das doch nicht sein! Wirklich gefruchtet seine Ansprache allerdings nicht, zwar können Lukas Bogisch über rechts und Bjarne Breitmeyer über links außen zum Torerfolg kommen, doch was nützt es, wenn man kein Mittel findet, seine eigene Deckung zu schließen. Für Geismar kommt Jost Hillebrand über rechts außen zum doppelten Torerfolg, Söhre liegt nach bereits 17 Spielminuten mit 14:4 im Rückstand. Florian Breitmeyer versucht es mit einer Deckungsumstellung, Geismars Mittelspieler bekommt eine Manndeckung durch Lukas Bogisch verordnet, Marvin Engelhardt soll es im Söhrer Kasten richten. Es geht zumindest ein Ruck durchs Team und nicht mehr jeder Angriff des Gegners endet dank verbesserter Deckung und guter Torwartreflexe in einem Geismarer Torerfolg. Dafür kommt jetzt Söhres linke Seite mit Jonathan Dumke und Julian Modrejewski besser ins Spiel und Söhre kann durch die Tore von beiden in der 19-ten Minute auf 12:7 verkürzen. Robin Skripalle hat am Kreis von der robusten Abwehr der Gäste reichlich einstecken müssen, zu seiner Entlastung kommt Simon Kullig und kann sich in der 22-sten und 26-sten Minute mit erfolgreichen Würfen vom Kreis in die Torschützenliste eintragen, wodurch Söhre mit nur noch 4 Toren Rückstand allmählich wieder in Schlagdistanz kommt. Es scheint, Söhre könne die traumatische Anfangsphase hinter sich lassen, der Konter von Lukas Bogisch über rechts außen und der Treffer von Julian Modrejewski über halblinks lassen beim 18:15 das Spiel in der 27-ten Minute wieder offen erscheinen. Doch halbherzig zu spielen, wird umgehend abgestraft. Jeden Passfehler und jeden nicht erfolgreichen Abschluss quittieren die Gastgeber mit einem Tempogegenstoß, bis zur Pause muss Marvin Engelhardt noch dreimal hinter sich fassen und der 21:15 Pausenrückstand lässt den zwischenzeitlich aufgekommenen Optimismus auf Söhrer Seite schnell wieder schwinden.

Die Halbzeitansprache war heftig ausgefallen, zu leicht vergebene Bälle, keine sicheren Torabschlüsse, mangelndes Deckungsverhalten, Durchsetzen im eins-gegen-eins Fehlanzeige. Man wollte wenigstens erhobenen Hauptes aus der Halle gehen können, doch der Begin der zweiten Spielhälfte unterstützt diese Absicht nicht gerade. Geismar ist nach wie vor das spielbestimmende Team und auch wenn sich Björn Riesen als Söhrer Mittelmann im Angriff aufreibt, im Alleingang lässt sich bei der kompakten Deckung der Gastgeber nichts erreichen. Mit dem Siebenmeter von Geismars Adrian Münter können die Gastgeber ihren Vorsprung beim 27:17 in der 39-ten Minute wieder auf 10 Tore ausbauen und für Söhre ist guter Rat teuer, wie man hier den totalen Untergang vermeiden kann. Geismars Jost Hillebrand handelt sich zwei Minuten ein, für Robin Skripalle bedeutet die Überzahl ein bisschen Bewegungsfreiheit am Kreis, mit doppeltem Torerfolg kann er in der 40-ten Minute immerhin auf 27:19 verkürzen. Sicherster Söhrer 7-Meter Werfer ist Jonathan Dumke, der meist nach einem Foul an Söhres Kreisspieler an den Punkt darf. Drei erfolgreiche Strafwürfe und ein Treffer über links außen, lassen das Ergebnis mit dem 30:23 in der 46-ten Minute immerhin etwas versöhnlicher erscheinen. Die Gastgeber haben im Tempo sichtbar einen Gang runtergeschaltet und Söhres Coach zieht mit Joey Wattenberg noch einmal einen Joker von der Bank. Der gelernte Linksaußen empfiehlt sich über seine Schnelligkeit auch für die rechte Seite und kann sich in den verbliebenen 10 Spielminuten gleich dreimal im Spielberichtsbogen eintragen. Während er in der 51-sten Minute mit dem 32:26 seinen Einstandstreffer in der Verbandsliga erzielt, freut sich sein Team nach seinem Konterlauf zudem über die Kiste für das 36:30 in der 56-ten Minute. Ansonsten bleibt die Schlussphase für Söhre ohne Höhepunkte, sobald Geismar die erste Sieben wieder auf dem Feld hat, ist die Spielüberlegenheit nicht wegzudiskutieren. Söhre versucht im offenen Spiel zumindest gegenzuhalten und kann durch Julian Modrejewski, Bjarne Breitmeyer und Robin Skripalle noch einmal zum Torerfolg kommen, das bittere 40:33 Endergebnis durch Geismars Alexander Mielke kann Söhres heute wenig überzeugende Abwehr jedoch nicht verhindern.

Aufstellung: Julian Bogisch (TW), Justin Engelhardt (TW), Marvin Engelhardt (TW), Kilian Drees, Lukas Bogisch (3), Julius Valentin Bartels, Joey Wattenberg (3), Björn Riesen (3), Bjarne Breitmeyer (2, 1), Julian Modrejewski (8), Jonathan Dumke (8, 5), Simon Kullig (2), Moritz Fürmeier (1), Robin Skripalle (5), Lucas Engelke

UB

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