Punkteteilung im Top-Spiel, zweite Herren kämpfen sich nach mehrfachen Rückstand gegen Geismar immer wieder ran
Im Hinspiel hatten sich Söhres zweite Herren vom Tempospiel des MTV Geismar förmlich überrollen lassen, dies wollte Trainer Florian Breitmeyer in eigener Halle auf jeden Fall verhindern und hatte die Devise des schnellen Rückzugs und des frühen Stoppfouls zugegeben. Doch statt gerade selber noch mal vermehrt in Tempo und Kondition investieren zu können, gestaltete sich ein Trainingsbetrieb in der Woche des Spiels gegen den Tabellenführer der Verbandsliga Süd als schwierig, da die heimische Steinberghalle wegen Trocknungsarbeiten nach Wassereinbruch gesperrt war. Ersatzweise hatte man sich zum Kicken in der Hildesheimer Soccer-Arena getroffen, doch bei -5°C und ungeheiztem Spielort, kam der Eishallencharme der 80-ziger Jahre dieser Trainingslocation wieder zurück.
Die Gäste aus Geismar beginnen erwartet durchvoll und gehen bereits in der 2-ten Minute mit 0:2 in Führung. Anschluss durch den wieder genesenen Joey Wattenberg über halblinks, doch Geismars William-Edmond Eggerichs beweist, dass er wirklich aus allen Lagen noch abziehen kann, selbst dann, wenn er schon früh bei 9 Meter angenommen wird. Nach 8 Minuten kann Simon Steinhoff für die Gäste auf 3:7 erhöht und Söhre sieht sich schon früh unter Druck, einem Rückstand hinterherlaufen zu müssen. Zehnte Spielminute, Söhres Mittelmann Julius Valentin Bartels erhält eine 2-Minute Strafe, doch Söhre Keeper Justin Engelhardt kann den nachfolgenden 7-Meter parieren. Die Gastgeber überstehen die Unterzahl schadlos und schaffen den 6:7 Anschluss durch Julian Modrejewski in der 12-ten Spielminute. Die Abwehrreihen legen früh an Härte zu, auf Geismarer Seite müssen nacheinander Michael Reese und William-Edmond Eggerichs auf die Bank, doch trotz Söhrer Überzahlspiels können die Gäste einen zwei Tore Vorsprung bis zur 20-ten Minute verteidigen. Geismars Trainer nimmt ein Team-Timeout, die abgesprochene Spielaktion erzwingt einen Strafwurf, die Gäste gehen nach dessen erfolgreicher Umsetzung mit 9:12 in Führung. Für die Gastgeber kommt es im Anschluss ganz dicke, Julius Valentin Bartels wird von hinten geklammert, wobei die Hand unglücklich eingeklemmt und der Ringfinger der linken Hand ausgekugelt wird. Statt auf der Spielmitte spielerische Akzente setzen zu können, ist eine Fahrt ins Krankenhaus angesgt. Bei den eher spärlich gesäten Zuschauern kommt die Frage auf, ob Söhres Mannschaftsgefüge stark genug sein würde, diesen Ausfall kompensieren zu können. Julian Modrejewski, Joey Wattenberg und Robin Skripalle geben die Antwort, von einem 12:16 in der 26-ten Minute, kämpft Söhre sich wieder auf ein 15:16 in der 30-ten Minuten ran, allerdings nimmt Robin Skripalle eine 2-Minuten Strafe mit in die Halbzeit.
Die Spielsysteme der Kontrahenten könnten fast unterschiedlicher nicht sein. Während Söhre aus dem Kombinationsspiel den gesicherten Abschluss über den Kreis oder aus dem Rückraum sucht, bevorzugt Geismar das Tempospiel und möchte nach Möglichkeiten aus vollem Lauf durch die Abwehr fliegen, wie Simon Steinhoff beim "schrittverdächtigen" 15:18 in der 33-ten Minute. Nach dem 15:19 für Geismar durch sieht Söhres Trainer dringenden Bedarf, sein Team in einem Team-Timeout einzunorden, sich nicht über Schiedsrichterleitungen zu echauffieren, sondern einfach konzentriert die eigene Linie durchzuspielen. Die Ansprache hat nur bedingt Erfolg, denn Söhres Bank steht schnell komplett auf, sowie sie sich benachteiligt sehen, wodurch Simon Kullig in der 37-ten Minute eine 2-Minuten Strafe wegen Meckerns von der Bank einfährt. Geismar spielt vorgezogen, zeitweise erhält Julian Modrejewski zusätzlich auf halblinks eine Manndeckung. Es ist nicht leicht, einen Weg zum Tor zu finden, doch wenn man es schafft, sich wieder aufs Spiel zu konzentrieren, ergeben sich auch entsprechende Möglichkeiten zum Abschluss. Die Gastgeber suchen den Raum über den Kreis oder das Anspiel auf rechts außen, für Söhre können Robin Skripalle und Lukas Bogisch doppelt punkten und Söhre schafft in der 45-ten Minute den hart erkämpften 21:22 Anschluss.
Das Angriffsspiel von Simon Steinhoff hat schon etwas Selbstzerstörerisches, denn solange die Lücke in der Deckung wirklich da ist, ist alles gut, doch wenn der Abwehrblock kompakt steht, tut es einfach nur weh. Keine Absicht, einfach unglücklich, gleich drei Spieler fallen übereinander, Geismars Spieler schlägt mit der Zahnreihe auf den Spielbelag und der Schwächste, in diesem Falle der Schneidezahn, muss nachgeben. Spiel beendet auch für ihn und schon einmal Termin in der Göttinger Zahnklink für die Rückfahrt buchen, eine Sache die wirklich niemand in einer hitzig geführten Partie brauchen kann. Falls Geismar geschockt sein sollte, auf der Platte jedenfalls spiegelt es sich nicht wider, denn zwei erfolgreich verwandelte 7-Meter von Jesse Blumenberg bringen die Gäste in der 49-ten mit dem 22:26 abermals mit 4 Treffern in Front. Söhre beweist starke Spielmoral, statt den Kopf in den Sand zu stecken, wird das eins-gegen-eins gesucht und man setzt auf Tempogegenstöße. In der 53-ten Minute schafft Jonathan Dumke den von der Söhrer Bank stark umjubelten 27:27 Ausgleich. Für anhaltende Freude reicht es jedoch nicht. Doppelschlag William-Edmond Eggerichs für die Gäste, Julian Modrejewski schafft mit zwei 7-Meter Treffern und einem Feldtor den 30:31 Anschluss in der 58-ten Minute. Die letzten Sekunden sind Hektik pur. Beim Stand von 32:33 und noch knappen 40 Sekunden auf der Uhr nimmt Geismar bei eigenem Angriff eine Auszeit. Nur bei einer Balleroberung kann Söhre noch den Ausgleich schaffen. Bei offener Manndeckung patzt Geismar, Söhrer erobert den Ball, Lukas Bogisch geht steil, trifft 15 Sekunden vor Schluss zum 33:33 Ausgleich. Ausgerechnet er wird zum tragischen Helden, denn bei seinem Einsatz, die Außenposition in der eigenen Deckung abzusichern, kollidiert Lukas Bogisch im Temporückzug mit dem Fuß des Gegenspielers und muss sich mit vermutlichem Außenbandriss auch einen Platz in der Notaufnahme buchen.
Es bleibt bei einem spielerisch verdienten 33:33 Endstand, der mit drei Verletzungen auf dem Spielfeld allerdings für beide Seiten teuer bezahlt werden muss. Resoluteres Auftreten der Unparteiischen hätte vielleicht etwas Druck von Kessel nehmen können, Söhres Spieler allerdings müssen sich fraglos mehr bemühen, emotional auch dann runterfahren zu können, wenn sie sich in Spielsituation benachteiligt sehen, denn in Summe betreffen ähnliche Entscheidungen meist beide Seiten.
Aufstellung: Julian Bogisch (TW), Justin Engelhardt (TW), Lukas Bogisch, Julius Valentin Bartels, Joey Wattenberg, Björn Riesen, Bjarne Breitmeyer, Julian Modrejewski, Jonathan Dumke, Simon Kullig, Tim-Luca Kleimann, Robin Skripalle, Lucas Engelke
UB